Tagebuch

Privates

Wir sind dann mal weg.

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Es gibt ja – und das freut mich sehr – doch relativ viele Menschen, die das hier regelmäßig lesen. Diese Leute wissen dann, dass und warum ich den Bundespräsidenten nicht gewählt habe, was wir in unseren vielen Sitzungen besprechen und was mein Hund so anstellt, erfahren sie gelegentlich auch. Dann gibt es Kommentare – manchmal so wie gestern direkt zum Text (vielen Dank für die zustimmenden und ebenso für die kritischen Einträge) und häufig wird auch von Mund zu Mund das Tagebuch im Allgemeinen kommentiert. Den einen geht es dann zu viel um den Hund, anderen wieder zu wenig; Vielen gefällt die Alltagsbeschreibung, manche hätten aber lieber grundsätzlichere Überlegungen und Strategien gelesen; und es gibt sogar Leser, die meinen es stecke zu viel Religion in meinen Texten und der eigentliche Sinn des Tagebuchs sei Missionierung.

Bis auf das Letztgenannte kann ich viele Einschätzungen nachvollziehen. Entscheidend für mich ist aber – und das würde ich gern generell allen Kommentatoren antworten – die Haupteigenschaft des Tagebuchs: Es ist persönlich. Sehr Wichtiges, weniger Wichtiges und Unwichtiges wird hier notiert, weil es zu meinem Leben dazugehört. Der Maßstab ist die Transparenz, denn mein Arbeitgeber sind die Leute, die uns gewählt haben und die haben ein Recht zu erfahren, was ihr Abgeordneter so treibt.

Bevor ich mich in den Urlaub verabschiede, will ich noch etwas schreiben, was mir im wahrsten Sinne des Wortes am Herzen liegt. Ich möchte meiner Frau danken, weil sie mir möglich macht, meinen Job mit der Energie zu betreiben, wie ich es mir wünsche. Ich möchte ihr danken, weil sie, wann immer es nötig ist, nicht nur hinter, sondern auch neben und vor mir steht. Sie ist meine Luxusyacht und mein Rettungsboot. Deshalb will ich das Tagebuch vor dem Sommer auch mit einem einfachen und klaren Satz schließen: Germana, ich liebe Dich.

PS: Mein Urlaub geht bis zum 25. Juli. Zwischendurch ist aber am 21. die Gerichtsverhandlung über meine Beobachtung durch den Verfassungsschutz über die ich natürlich berichten werde. Ich verweise dazu nochmals kurz auf die passende Lektüre: Die Revision ist unbegründet

Donnerstag 01 Jul 2010
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Redaktion
Schlüsselwörter: Privates

Abschied

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Am Samstag war die Trauerfeier für Benno und weil er mich persönlich darum gebeten hat, die Trauerrede zu halten, mache ich das natürlich auch. Wir haben zwanzig Jahre zusammengearbeitet, erst zehn in der HBV und dann noch einmal zehn in der Politik, und es fällt unglaublich schwer jetzt Abschied zu nehmen. Benno hatte noch so viele Pläne und Ideen und deshalb bleibt es unfassbar, dass die heimtückische Krankheit ihm schon mit 51 Jahren das Leben genommen hat. Als Fraktion haben wir uns dazu entscheiden, Benno zu Ehren einen Trauerempfang zu geben, damit wir uns gemeinsam an die Zeit mit ihm erinnern können. Über zweihundert Menschen sind zusammengekommen und es ist schön zu sehen, dass so viele Freunde Benno im Herzen behalten werden.

Zum Sonntag hatten wir eigentlich geplant das Bruckner-Konzert im Dom zu besuchen, zu dem der Deutschlandfunk eingeladen hatte. Dann gab es allerdings eine Anfrage von *Bericht aus Berlin“ ob ich nicht für die Sendung als Interviewpartner zur Verfügung stehen und gleich im Anschluss an die Ausstrahlung auch noch im Chat Fragen beantworten könnte. Ich sage zu, weil ich die Hoffnung habe in der Auseinandersetzung um die Bundespräsidentenwahl noch einmal unsere Haltung verdeutlichen zu können. Es kommen auch Fragen zur bevorstehenden Wahl, nur sind meine Antworten scheinbar nicht im Interesse der Journalisten. Meine Aussage, dass Herr Gauck eben doch vor allem ein konservativer Kandidat ist und er viele unserer Wähler nicht repräsentiert, wird genauso weggelassen, wie der ganze Rest des Interviews. Ich fühle mich ziemlich auf den Arm genommen durch dieses Vorgehen, zumal man mich natürlich trotzdem für den Chat möchte und ich damit das Konzert definitiv verpasse. Nachdem der Chat erledigt ist, versuchen wir noch das Beste aus dem Abend zu machen und schlendern mit Attila noch eine Runde über das Krämerbrückenfest. Das ist doch noch ein schöner Abschluss des Wochenendes.

Sonntag 20 Jun 2010
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Redaktion
Schlüsselwörter: Privates

Binnennachfrage gestärkt

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Die neue Woche beginnt in Berlin mit Umzugsnachbereitungen: eine Waschmaschine muss gekauft und ihr Anschließen organisiert werden, Kartons sind auszuräumen und bestimmte Möbel müssen einfach mal in jede Ecke der Wohnung geschoben werden. („Mal sehen, wie das dort aussieht.“) Schließlich holen wir bei der Jalousienfirma die bestellten Fensterllamellen ab.

Auf vielfachen Wunsch der besten aller Ehefrauen geht es dann in das große Möbelhaus mit den vier Buchstaben, wo wir das ganze Auto bis zum Dach beladen. Um wenigstens auch einen Sieg zu erringen, bestehe ich auf Einnahme des Mittagessens in der Kantine des Elchladens: Knödelböller oder Lachs und Elch oder dergleichen.

Frisch gestärkt heißt es dann wieder tragen, schwitzen, auspacken und vor allem den Intelligenztest bestehen. Der besteht aus Malen nach Zahlen oder besser gesagt Möbel aufbauen nach Anleitung. Mit etwas Glück bestehe ich den Test und die Verpackung ist auch schon ganz ordentlich in grüne und gelbe Tonnen verteilt.

Nachdem wir heute so kräftig die Binnennachfrage gestärkt und ich den Test aller Tests bestanden habe, geht es am Abend zum Sommerfest der Thüringer Landesvertretung in Berlin. Da kann ich mit unserer Bundespräsidentenkandidatin Luc über den Bratwurstboulevard spazieren, treffe meine alten Mitarbeiter Marion und Benni und begleite unsere MdBs Ralph Lenkert und Jens Petermann zum Schwarzbierstand. Außerdem schüttle ich vielen lieben Menschen die Hand und muss Attila davon abhalten pausenlos zu fressen. Er hatte wohl Stress mit dem Umzug und die letzten Tage nichts gefressen. Nun auf dem Sommerfest schwankt er zwischen Brätel, Bratwurst und Pommes Frites. Na das kann ja heiter werden mit dem lieben Hund. Nach einem schönen Abend machen wir uns auf den Heimweg und amüsieren uns unterwegs noch über das 0:1 von Paraguay gegen Italien. Zu Hause sehen wir dann, dass es leider nicht gereicht hat, das Spiel endet unentschieden.

Montag 14 Jun 2010
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Redaktion
Schlüsselwörter: Privates

Ramelow in Ramelow

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Mit so einem Hündchen erlebt man immer etwas. Zum Beispiel, dass man die Fahrt von Berlin nach Rostock für eine Komplettreinigung des Tieres unterbrechen muss, weil es kurz vor der Abfahrt noch mitten durch einen Haufen spaziert ist. Das Resultat ist im Auto einfach nicht zu ertragen und es ist doch ein glücklicher Umstand, dass das Web 2.0 noch keine Gerüche weiterverbreiten kann. Jedenfalls müssen wir unterwegs anhalten, um Attila mit Shampoo wieder in ein wohlriechendes Schoßhündchen zu verwandeln.

Auf den unplanmäßigen Stopp folgt ein planmäßiger: Ich hatte mir schon lange vorgenommen, mir das Dörfchen Ramelow anzuschauen, das ich irgendwann mal beim Googeln entdeckt hatte. Es liegt zwar nicht ganz auf dem Weg zwischen Berlin und Rostock (eher Richtung Usedom), aber der Umweg ist es wert. Wir verbringen zwei schöne Stunden bei himmlischer Ruhe in diesem schicken Dorf. Bis auf einen heruntergekommenen Gutshof ist alles sehr liebevoll gepflegt, alles ist aus Feldstein gebaut und wirklich schick hergerichtet. Offensichtlich leben die Menschen gern in Ramelow.

Zwischendurch schreibe ich E-Mails und telefoniere mit Freunden auf dem Kirchentag in München. So kann ich u.a. Walter Homolka, den Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam zum Stand der Rosa-Luxemburg-Stiftung leiten, wo er das Buch bekommen kann, in dem auch ein Artikel von mir veröffentlicht ist (hier nachlesbar). Außerdem bespreche ich mit Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland, dass er als Diskussionspartner zu einer Veranstaltung unserer Bundestagsfraktion nach Gotha kommen wird.

Dann geht es weiter nach Rostock, wo wir gleich nach dem Bezug unseres Hotelzimmers zu einem Spaziergang am Hafen aufbrechen. Dort ruft eine Gruppe junger Menschen „Bodo, Bodo“ und ich muss mich erst einmal umschauen, um zu sehen, dass wirklich ich gemeint bin. Offensichtlich sind schon ziemlich viele Linke in der Stadt, die das lange Wochenende an der Ostsee genießen. Das merken wir auch beim Abendessen in Warnemünde, wo uns einige Genossinnen und Genossen begegnen, die sich hier in gemütlicher Atmosphäre auf den Parteitag einstimmen.

Donnerstag 13 Mai 2010
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Redaktion
Schlüsselwörter: Privates

Aschewolken und Dresdner Teppichhändler

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Dieses Wochenende ist geprägt von einer Aschewolke, die Mitteleuropa lahmlegt. Die Auswirkungen auf Flugzeuge und Flughäfen zeigen mir, wie vieles schon als selbstverständlich gilt und wie brüchig diese Wahrnehmung sein kann.
Ich selbst bin glücklicherweise nicht betroffen, da ich in unserem Gartengrundstück bin und von hier beobachte, dass am Himmel keine - der sonst üblichen - Kondensstreifen zu sehen sind. So treffe ich hier einen Gartennachbarn, der eigentlich gestern nach Schanghai fliegen wollte. Wir kommen über verschiedene Themen ins Gespräch, auch über meinen Besuch in Schanghai, den ich als eine sehr schöne Reise in Erinnerung habe. Leider bauen ihn meine Ausführungen nicht sonderlich auf.

Analog dazu ruft mich der Landesvorsitzende an und muss mir mitteilen, dass er in Ägypten festsitzt und im Moment nicht weiß, wann er zurück fliegen kann. Wir sollten daher das Selbstverständliche nicht als so Selbstverständlich nehmen.

Beim Telefonat mit meinem Bruder aus London, erzählt mir dieser, dass dort der aktuelle und leider passende Running Gag der Ausspruch „We want cash not ash!“ ist.

Am Samstag war der Stadtparteitag in Erfurt, an dem ich bis Mittag teilnehme, um anschließend mit Germana in den Garten zu fahren. Dort angekommen, stand erstmal eine große Entmoosungsaktion an. Mir geht bei der Arbeit der Spruch aus dem Volksmund „Ohne Moos nix los“ durch den Kopf. Ich hingegen bin froh, wenn ich mein Moos erst einmal los bin.

Nebenher werde ich informiert, über den Landesparteitag in Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist Helmut Holter mit großer Mehrheit zum Ministerpräsidentenkandidaten gewählt, das freut mich sehr. Ich wünsche ihm viel Erfolg und Kraft bei der anstehenden harten Wahlkampfzeit.

In Bayern findet ebenfalls ein Landesparteitag DER LINKEN statt. Dieser zieht hoffentlich einen Schlussstrich unter einen zwei Jahre andauernden Dauerzwist. Mit Eva Mendl und Michael Wendl wird es in Bayern jetzt einen neuen Start geben und ich wünsche alles Gute für Bayern und Mecklenburg-Vorpommern.

Ebenfalls am Wochenende hat die Dresdner Staatsanwaltschaft auf einen Anruf der Thüringer Presse verlauten lassen, dass mir mit dem Zahlungsangebot über 500 Euro an die “Aktion Zivilcourage e.V.” ein „Goldener Teppich“ ausgerollt wurde. Ich kann dazu nur feststellen, dass der Rechtsstaat von der Staatsanwaltschaft Dresdens zum willkürlichen Teppichhandel wird und ich finde, dass man so mit einem demokratischen Rechtsstaat nicht umgehen kann. So macht man sich zum Helfershelfer von denen die antidemokratische Ideologien verbreiten wollen.

Jeder Bürger ist gefordert die Demokratie zu verteidigen. Dazu dienen auch die friedlichen Proteste, wie sie in Erfurt am 1. Mai stattfinden werden.

Link zur Aktionshomepage: http://www.strassendate.net/

Sonntag 18 Apr 2010
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Redaktion
Schlüsselwörter: Privates
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