Neuartiges Finanzierungsmodell für Stadionumbau in Erfurt
Von Michael Keller, Thüringer Allgemeine
Ein gemeinsames Stadion für den FC Rot-Weiß Erfurt und den FC Carl Zeiss Jena auf der grünen Wiese bei Nohra, dieses Planspiel hat für Aufregung gesorgt. “Das ist totaler Unfug”, meint nun Bodo Ramelow, Fraktionschef der Linken im Thüringer Landtag. Und präsentiert ein Finanzierungsmodell, für das selbst seine politischen Gegner Sympathie zeigen.
“Ich bin gegen das externe Doppelstadion. Das schafft keine Identität, weil beide Vereine jeweils an ihre Stadt gebunden sind. Man sollte die Vergleiche mit den Bayern und 1860 lassen. Die haben beide in München ihre Heimat, das ist etwas anderes”, sagt der 54-Jährige. Aber ein Kunstgebilde bei Weimar sei weder Erfurt noch Jena zuzumuten. Und selbst wenn, was sollten dann beide Städte mit ihren verwaisten Stadien, die dann nur noch Kosten verursachen, ohne dass darin etwas passiert, machen?, stellt der Landespolitiker die nächste brisante Frage. Eine erschöpfende Antwort wird er darauf wohl kaum bekommen. Vielleicht aber für sein neuartiges Finanzierungsmodell, um das Steigerwaldstadion in Erfurt umzubauen. Das Besondere daran: Es soll ohne öffentliche Gelder auskommen. Ein Vorschlag, der angesichts klammer Kassen auf Gegenliebe stoßen wird, ist sich Ramelow sicher, bevor er das Modell mit dem Arbeitstitel “Sondereigentum Steigerwaldstadion” erläutert.
Schwerpunkt soll, so Ramelow, eine GmbH sein. In diese bringt die Stadt Erfurt ihr Stadion mit allen dazugehörigen Liegenschaften plus Grund und Boden ein. Auch der FC Rot-Weiß könnte mit eingebunden werden. Und ein Sponsor. Da Erfurt sich gern selbst als Solarstadt sehe, wäre die hier ansässige Bosch Solar Energy AG denkbar. Diese könnte die Namensrechte erwerben und ein Referenzprojekt aus dem Stadion für sich und die Stadt machen, in dem sie sich mit in den Bau und die Finanzierung eines Solardaches für die Sportstätte einbringt. Man müsse halt gut mit dem Konzern verhandeln, damit für beide am Ende eine Gewinnsituation entstehe.
Die GmbH, egal ob mit RWE und Bosch oder ohne, nimmt dann für den Stadionumbau einen Millionenkredit auf. Dessen Absicherung erfolgt durch das Land mit einer so genannten Patronatserklärung. Soll heißen, würde die GmbH zahlungsunfähig werden, müsste das Land als Bürge ersatzweise einspringen. Mit dieser Patronatserklärung im Rücken sei es für die GmbH einfacher, bei Banken an einen 25-Jahreskredit zu günstigen Konditionen zu kommen. Und diese GmbH wird letztlich den Kredit auch allein abzahlen. Ohne jeden Cent öffentlicher Gelder. Aber mit den Einnahmen, die die künftigen Stadionnutzer dann an sie zahlen.
Gebaut werden soll nach Ramelows Vorstellung in drei Abschnitten über drei Jahre hinweg. Und schon nach Beendigung des ersten könne die GmbH anfangen, mit dem Stadion Geld zu verdienen, um Tilgung und Zinsen für den Kredit zu bedienen, so seine Überlegung. Wie erfolgreich es mit so einer Patronatserklärung laufen könne, zeige seit Jahren der Erfurter Kaisersaal. Denn mit dem werde es seitens der Stadt genau so gemacht.
“Ich werbe nicht für Subventionen, sondern für diese Ausfallbürgschaft, für die sich selbst tragende Stadion-GmbH”, sagt Ramelow. Eine städtische Liegenschaft mit Gewinn bewirtschaften, das klingt wie die “Eier legende Wollmilchsau”. Aber es funktioniere, wenn man es richtig anpacke, sagt der Politprofi. Für ihn der größte Vorteil: Man würde dem öffentlichen Sektor keine Steuergelder entziehen. Das hat Reiz. Ramelows Modell wird daher selbst von einem seiner sonst ärgsten politischen Gegner, dem CDU-Mann Michael Panse , als “gediegen und tragfähig” befürwortet. Auch in den anderen Fraktionen gebe es viel Zuspruch, versichert der Linke-Chef.
Könnten sich Landtag und Finanzministerin dafür erwärmen, würde der Traum von einem neuen Erfurter Stadion an alter Stelle eventuell doch noch wahr. “Immer wieder Geld für Flickschusterei in das alte reinzustecken, bringt nichts. Das ist ein Fass ohne Boden, ohne dass der Zuschauer eine positive Veränderung für sich bemerkt”, warnt Ramelow. Andererseits brauche Erfurt aber ein ordentliches Stadion, das ausstrahle und zum sportlichen Aushängeschild der Stadt werde. Mit Fußball und Leichtathletik im Breiten- und Spitzenbereich und mit Konzerten. “Das, was wir heute haben, ist Holzklasse”, sagt der Linke. Daher sei jetzt die Zeit für eine Grundsatzentscheidung, um in Erfurt einen ganz neuen Weg der Finanzierung zu gehen, ist Bodo Ramelow überzeugt.