Eine Nachfolgedebatte ist würdelos!
Liebe Genossinnen und Genossen,
mit großer Anteilnahme habe ich am Dienstag, 17. 11. 2009, von der Krebsdiagnose unseres
Vorsitzenden Oskar Lafontaine Kenntnis erhalten.
Unmittelbar danach habe ich ihm meine Genesungswünsche übermittelt und für die anstehende
Operation alles Gute gewünscht.
Am Mittwoch, 18. 11. 2009, brach im Laufe des Mittags eine Debatte aus, bei der ich als Urheber
angegeben wurde.
Um es vorweg klar zu sagen: Eine Nachfolgedebatte aus Anlass einer Krankheitsdiagnose ist
würdelos und pietätlos!
Liebe Genossinnen und Genossen,
mit großer Anteilnahme habe ich am Dienstag, 17. 11. 2009, von der Krebsdiagnose unseres
Vorsitzenden Oskar Lafontaine Kenntnis erhalten.
Unmittelbar danach habe ich ihm meine Genesungswünsche übermittelt und für die anstehende
Operation alles Gute gewünscht.
Am Mittwoch, 18. 11. 2009, brach im Laufe des Mittags eine Debatte aus, bei der ich als Urheber
angegeben wurde.
Um es vorweg klar zu sagen: Eine Nachfolgedebatte aus Anlass einer Krankheitsdiagnose ist
würdelos und pietätlos!
Bei der Auseinandersetzung im Thüringer Landtagswahlkampf mit Dieter Althaus bin ich dem Rat
von Oskar Lafontaine in dieser Angelegenheit immer gefolgt und jede Äußerung von mir in Bezug
auf diesen Krankheits- und Genesungsprozess eines politischen Mitbewerbers hat dies
berücksichtigt und ich habe mich in Schweigen gehüllt.
Es wäre also widersinnig, wenn ich ein höheres Maß an Anteilnahme bei dem CDU-
Ministerpräsidenten a. D. an den Tag lege, aber bei dem von mir verehrten Parteivorsitzenden
anders agieren würde. Dumm und töricht wäre es und nicht nur würdelos.
Außerdem möchte ich erwähnen, dass meine beiden Söhne Krebs haben und als mein großer
Sohn seine Diagnose bekam, war es Oskar Lafontaine, der mir den Rücken gestärkt hat.
In der Bundestagsfraktion hat er mir nicht nur menschlich beigestanden, nachdem auch mein
zweiter Sohn seine Diagnose bekam, sondern auch die Zeiten ermöglicht, mich um meinen Sohn
ausreichend zu kümmern. Deshalb ist mir eine Krebsdiagnose nicht einerlei. Nicht einmal beim
politischen Konkurrenten wäre es mir einerlei.
Die den Turbulenzen am Mittwoch zugrunde liegenden Äußerungen von mir sind allerdings weder
erfunden noch basieren sie auf einem Interview, welches ich nicht freigegeben habe. Das macht die
Sache allerdings noch komplizierter. Es sind Äußerungen, die ich in einem Interview gegeben habe,
das vor der Krebsdiagnose verabredet war und sich auf öffentliche Äußerungen von mir bezog, die
ich seit Wochen schon in Bezug auf die Debatte zur Doppelspitze gemacht habe.
Ich habe ausdrücklich die Idee von Oskar als unserem Parteivorsitzenden unterstützt, dass wir über
eine Geschlechterdoppelspitze nicht nur nachdenken, sondern dergestalt diskutieren sollten, dass
wir eine Satzungsänderung auf dem nächsten Parteitag auch bekämen.
Für mich war dies ein kluger Vorschlag, welchen ich auch nachdrücklich unterstützen wollte und
verbunden habe mit dem Hinweis, dass unser Bundesvorsitzender damit in der nächsten
Vorsitzendenlegislatur den Generationswechsel geordnet mit einleiten würde.
Deshalb habe ich auch am Dienstagmorgen auf dpa-Nachfrage gesagt, dass ich mich in Thüringen
wohl fühlen würde und nicht vorhätte, wieder nach Berlin zu ziehen.
Über diese Doppelspitzenfrage war ich mit Oskar mehrfach im Gespräch und gestehe, ihn hier auch
ausdrücklich unterstützt zu haben. Diese Doppelspitze meint ausdrücklich ihn und nicht mich.
Am Mittwochmorgen bin ich dann allerdings gefragt worden, ob durch die Krebsdiagnose zu meiner
Doppelspitzenäußerung sich etwas verändern würde. Hier muss ich gestehen, dass ich ein
gewisses Maß an Naivität oder auch Trotteligkeit hatte, dass ich das nachfolgende Desaster nicht
erkannt habe. Mein flapsiger Satz, durch die Diagnose ändert sich doch die Debatte um die
Doppelspitze nicht, wurde anschließend so umgedeutet, dass daraus die unmittelbare
Nachfolgedebatte abgeleitet wurde.
Jetzt stehe ich als Verursacher der Nachfolgedebatte aus Anlass der Krebsdiagnose am Pranger
und muss damit leben.
Dies könnte ich aushalten, wenn damit das unsägliche Gerede über die Nachfolgedebatte endlich
aus der Welt geschafft werden würde.
Ihr mögt mir Naivität oder Dummheit vorwerfen, aber ich bitte darum, mir nicht Böswilligkeit oder gar
Vorsatz zu unterstellen.
Wenn ich geahnt hätte, dass zwischen Äußerungen, die ich seit Wochen tue, und
Kommentierungen, die seit Mittwoch im Umlauf sind, ein Wesensunterschied eingetreten ist, den
ich nicht bedacht habe, so muss ich die Verantwortung für diesen Fakt auf mich nehmen.
Der Wesensunterschied ist tatsächlich die Krebsdiagnose, die nun „wohlmeinende“ Journalisten
zum Anlass nehmen, uns als katastrophalen Haufen darzustellen.
Ich werde und muss mit dem Dilemma umgehen und ich betone, es geht nicht um mich.
Ich werbe aber dafür, zur Kenntnis zu nehmen, dass meine Äußerungen, ob man sie mag oder
nicht, getätigt wurden vor der Krebsdiagnose und sich auf unsere allgemeine Debatte bezogen
haben.
Mit der veröffentlichten Krebsdiagnose und dem abgefragten Proteststurm auf meine vorgeblichen
Äußerungen ist dann aus einer Generationsdiskussion eine Nachfolgediskussion gemacht worden.
Diese Nachfolgediskussion ist in der Tat würdelos und bleibt es.
Ich werbe deshalb für einen solidarischen Umgang mit dieser Frage, denn ich wünsche mir von
Herzen, dass Oskar Lafontaine unser Vorsitzender bleibt und seine persönliche Gesundheit so
wieder hergestellt wird, dass er uns noch lange aktiv zur Verfügung steht.
Mit solidarischen Grüßen
Bodo Ramelow
Den Text als pdf herunterladen: Debatte_Nachfolge23.11_.2009_.pdf